How I live in Niigata

Just another foreign guy in Japan, but the first one who worked for the O Bolles Restaurant

Genpatsu 原発 Juni 27, 2011

Filed under: Uncategorized — chrigusan @ 7:44 vormittags

Zurück im Land, zurück in meiner Hütte in Toyosaka fühlt es sich wie sonst auch an. Die Leute um mich herum hatten sich in meiner Abwesenheit an die drohende unsichtabare Gefahr gewohnt und verhalten sich seither wie vor der ganzen Katastrophe.

Ich hatte da noch einen gewissen Nachholbedarf. Also ging ich zu Beginn öfters als sonst mit dem Schirm aus dem Haus und kaufte das erste Mal in Japan eine Packung Gesichtsmasken. (Bis anhin weigerte ich mich diese Masken zu tragen, weil sie nerven und extrem unpersönlich sind.) Als weiteres inspizierte ich mein Wohnung im Erdgeschoss auf Potenzial und Tücken des Strahlenschutzes. Ich vermute, dass unser Papier- oder Karton-Wohnblock so etwa in der Gegend des Holzblockhauses auf der Skala des österreichischen Bundesministerium für Inneres zu finden ist. Ich hätte nie gedacht, dass ich meine undichten Fenster eines anderen Grundes als der Kälte wegen verflucht hätte.

Die Zuversicht aller Leute um mich herum hat jedoch schnell bewirkt, dass ich nun auch gelassen Neuigkeiten über die havarierten Reaktoren vernehme. Mit grossem Mitleid wird einem bewusst, dass sich der ganze Schaden und alles Leid nur auf die Tohoku Region beschränkt. Dafür in einer unvorstellbaren Grösse.

Ein Kumpel von mir meinte auf meine Frage betreffend in welcher Art Fukushima verfolgt und beobachtet wird: „Now, we laugh at it!“ Zynismus wie ich ihn selten zwischen Japanern und englisch Sprechenden erlebe. Die Gefahr ist noch lange nicht gebannt, insbesondere aufgrund der Nahrungskette. Doch nach 3~6 Wochen kann niemand den Stress weiter hoch halten. Man findet andere Mittel der Reaktion und belacht nun die Situation.

Was will man schon anrichten? Nach getaner Vorbereitung für den Fall eines Ausfalls bleibt einem nichts anderes übrig als die Verantwortung den Behörden weiter zu geben und sich dem Leben zu fröhnen. Es wäre aber falsch, jetzt nur ansatzweise zu denken, dass alles gar nicht so schlimm war. Eine solche Meinung zeugte von fehlendem Respekt und von fehlendem Einfühlungsvermögen.

Für alle die sich bei diesem Bild immer gefragt haben, wo sich Niigata befindet, habe ich nun selbst unser Städtchen aufgedruckt. (Westküste)

 

Mir geht es gut März 12, 2011

Filed under: Uncategorized — chrigusan @ 5:42 vormittags

Mir geht es gut. Das grosse Erdbeben vom Freitag war auf der anderen Seite Japans, so dass der Tsunami keine Gefahr für uns war. Es hat noch weitere Erdbeben gegeben. Für sich alleine wären es Grosse gewesen, den Umständen entsprechend sind sie aber relativ klein. In der Nacht auf Samstag, wurden wir alle heftig wachgerüttelt. Statt des gedachten Nachbebens des Grossens an der Pazifikküste, war es ein Erdbeben bei uns in der Nähe. Dieses hat mich ein wenig beunruhigt. Doch nun Samstag nachmittags stufen die Behörden von Niigata die Tsunamigefahr zurück. Ich weiss nun auch, wo in Toyosaka ich mich hingebegeben muss bei einem Tsunami. Nice to know.

Mein Freund Marc verbleibt bis jetzt ohne Kontakt. Aber ohne japanisch kenntnisse und ohne Handy ist sowas durchaus normal.

Danke für all eure Sorgen und Anteilnahme

Auf der Japan-Karte befinde ich mich links, im Westen, in Niigata. Genau dort wo es ein bohnenartige Insel vor der Küste hat. Nur so, falls man immer wieder die Insel von Japan im Fernsehen sieht. Ein relativ sicherer Ort.

 

glamouröse 2 sekunden März 1, 2011

Filed under: Auftritte im Japanischen Fernsehen — chrigusan @ 1:02 vormittags

Ich habe es geschafft. Ich kann mein Ingenieurdiplom abgeben und nehme den Hut bei meinem Arbeitgeber. Von nun an bin ich definitiv eine Berühmtheit in Japan und kann zukünftig von riesen Gagen leben.

Soweit könnte es kommen. Vielleicht… …nein, garantiert nicht. Aber immerhin habe ich doch wahrscheinlich einer der besten wissenschaftlichen internationalen Auftritten in Bezug auf von Dächer fallender Schnee in Asahii TV der letzten Wochen geboten. Und man kann mich sogar 2 Sekunden lang sehen.

Spass oder Höhenflug bei Seite, mir ist klar, dies ist ein nichtiger Fernsehauftritt. Es ist vielmehr das Überhaupt statt das Wie. Eine gute persönliche Erinnerung.

Wie es dazu kam, kann ich natürlich nicht genau sagen. Wie manch andere Information und Geschehniss in der Firma auch, bekomme ich sie nur brockenweise mit. Es liegt nicht an etwaigem Mobbing oder an Verschwörung, sondern an der Kommunikation. So hat mein Chef mich vor ein paar wochen um 5 Uhr Nachmittags gebeten noch in die Fabrik zu kommen damit er mir die all-Japanese Software für ein Experiment zeigen kann. Um 5 Uhr ist meine batterie deninitiv etwas zu schwach um noch einen Computerbildschirm zu verstehen, der einem nur Japanisch bietet. Es war seit langem wieder einmal ein klassische Situation von nickend “Uhm!”  (Ja) sagen und nichts verstehen. Mein Chef ist kein schlechter, denn mir ist das Nötigste hängen geblieben nach ein paar Wiederholungen.

Im allgemeien war ich leicht dunklen Gemüts zu diesem Zeitpunkt. Nebst dem Computer hat er mir auch die Experimentinstallation demonstriert. Schwere Stahlplatten, horizontaler Schneeregenwind, 5Uhr45 daher gedanklich im Feierabends und klobige Finger sind eine gute Kombination um sich letztere einzuklemmen. So geschehen. Wie ich gerade meine Schmerzen realsiere, welche vermuten lassen, dass mindestens der Fingernagel im Handschuh zurückbleibt, da fragt mich mein Chef schon ob es geht? Nur einen Augenblick, nach dem die Schmerzen fühlbar werden, kommt schon diese zu klassische und in solchen Momenten verhassten Frage, ob es einem geht? Jeder Funke von menschlichem Verständnis fehlte oder ein Zusammenprall verschiedener Kulturen, in jedem Fall ist es eine Qual just dann vortäuschen zu müssen, ja es gehe schon, wenn der innerlich Kampf am grössten ist. Wieso wartete mein Chef nicht noch 10 sekunden, die nötige Zeit um Wut eine Stufe runter zu bringen auf nur Schmerz.

Angry Bro wäre stolz auf mich gewesen. Ich gab mich in meinem innerlichen Kampf geschlagen.  Ich besann mich meiner Muttersprache und lies ihr freien Lauf. Dies fühlte sich neben dem Schmerz göttlich an. Man stelle sich vor, dass ich hier abgesehen von am Telefon nie Deutsch, geschweige den Berndeutsch, spreche. Aber auf einmal bietet sich diese ganz vergessene Muttersprache an, welche zudem in dieser Situtation sicherlich nicht verstanden wird. Es louft eifach, fahsch wie vo nällei. Befriedigend rollt jedes Wort über die Zunge und ich spüre Linderung.

Ich gebe zu, da kam noch Aufgestautes mit. Aber hey, besser so als anders. Habe ich schon mal erwähnt, dass Niigata die grösste Suizidrate Japans hat?

Kurz gesagt, mein Chef hat mir am Abend etwas erklärt, was ich kaum verstanden habe. Als ich mich anschliessend verabschiede um nach Hause zu gehen, meint er noch Fernsehen. Ich frage nach wie das genau gemeint ist. Es stellt sich heraus, dass nächsten Tags das erlernte Experiment von einem Fernsehteam begleitet wird. Dies fühlte sich eher nach Verwirrung an, statt Information. Ich beliess es dabei und machte mich auf nach Hause. Warum wollen diese Fernsehleute uns filmen? Warum wollen sie ausgerechnet dieses lausige Experiment filmen? Von all den Experimenten, die wir schon gemacht hatten, macht dies den pseudo-wissenschaftlichsten Eindruck, fern von aller Relevanz der Materie. Man könnte meinen, es sei nur zur Show.

Am nächsten Morgen, immer noch nichts ahnend, um was es genau geht, treffe ich doch eine gute Entscheidung: Ich rasiere mich trotz der Tatsache, dass ich draussen arbeite in Abwesenheit von höheren Mitarbeiter.

Weil ich mich einmal verfranst habe auf der Autobahn, kam ich etwas zu spät zum Schauplatz. Mein Mitarbeiterkollege war schon da, begrüsste mich nervös und drängte mich, die Installation aufzubauen. Normalerweise lassen wir uns Zeit. Ein grosser Truck mit Hebebühne war anscheinend auch gemietet worden – eine eher teure Investition für unser mickriges Vorhaben. Generell, hängt etwas Ungewohntes in der Luft. Nun, ich bin zu spät und kann solchen Wunderungen nicht nachgehen. Rasch aber gelassen, schaufel ich etwas Schnee beiseite um die miesen Stahlplatten in Position zu bringen, da kommt doch echt einer von der Fernsehcrew und schaufelt nach mir die Schneefreie Stelle zu einem perfekten Rechteck, zentriert um die Stahlplatten. Mensch, der Junge hat aber auch gar nichts von unserem Experiment begriffen. Die Stahlplatten müssen festen Untergrund haben – mehr nicht. Statt endlich zu begreifen, um was es eigentlich geht, tu ich den Japaner als eben Japaner ab.

Nach dieser Scharr von Indizien, die nur so schreien, dass es kein gewöhnliches Experiment für UNS ist, sondern ein Experiment für ASAHII TV, leuchtet es mir doch noch ein. Bei der erwarteten Ankunft des Moderators im Taxi geht mir ein Licht auf. Niemand ausser richtigem Fernsehen würde eine über einstündige Taxifahrt von der nächsten Schnellzugstation hier hin bezahlen.

Jetzt begreife ich schnell, dass wir ein Experiment für einen Fernsehbeitrag machen. Das Fernsehen bezahlt uns dieses simple Show-experiment zu tätigen, weil für sie dies immer noch ein zu kompliziertes Unterfangen wäre. Wie schön! Alles macht einen Sinn. Erleichterung.

Bang! Jetzt macht es auch Sinn warum, mein Chef mir die Software penibel erklärt hatte. Es reicht nicht aus, die gespeicherten Daten des Experiments zurück im Büro mit Hilfe meines Senpais auszuwerten. Das Fernsehen will sie quasi live sehen. Mit der Kamera auf den Bildschirm zoomen um das Resultat der Grösse weniger Pixel als Totalaufnahme in die Japanischen Stuben zu projezieren. Aus dieser Betrachtung der Situation habe ich klar zu wenig aufgepasst gestern Abends. Ich kann das Programm zwar bedienen, aber sicherlich nicht auf die filmreife Art.

Jetzt ist es zu spät das nicht Vorhandene zu lernen. In einer Stunde machen wir die Aufnahme und das Helpmenu ist sowieso nur Japanisch. Da der Auftraggeber pures Showbusiness ist, beschliesse ich mitzuspielen. Die Daten, falls doch von Interesse sind wahrheitsgetreu gespeichert und fürs Fernsehen gebe ich eine rasche kompetent scheinende Antwort, welche jedoch sehr ungenau ist. Ich schätze auf eine Marge von -+50%. Die akribischen Japaner wollen aber Zahlen auf 5 Ziffern, weil es so genauer sei. Ich bringe es übers Herz ihnen 3 Ziffern zu geben, obwohl nur die erste stimmt.

Nach den 2 Sekunden brillianten Gesichtsausdrucks, sieht man die Totalaufnahme des Resultats, wobei das Resultat von meinem Mitarbeiter gesagt wird, dem ich es vorgesagt habe. Nach der Aufnahme fragen die Fernsehleute nach, wieviel es noch einmal war um es in ihrem Notizbuch zu vermerken. Ich bin mir sicher, genau das selbe Resultat gesagt zu haben wie bei der Live-Action, welches aber jetzt mit Ihrem Nachfragen differiert. Noch bevor ich mich irgendwie winden muss, es sei eigentlich weniger relevant und sowieso nicht so genau, akzeptieren sie das für sie neue Resultat und behandeln es als für den Zuschauer in Stein gemeiselte Wahrheit. Eben Profis.

 

Versunken im Schnee Februar 6, 2011

Filed under: la réalité dure — chrigusan @ 2:20 nachmittags

Der Winter zeigt sich echt keine Blösse. Neulich mussten wir wieder einmal nach Yamakoshi ausrücken um an einem Schneeexperiment Messungen vorzunehmen. Letztes Jahr war ich schon des öfteren dort um am selben Experiment zu studieren. Die Ausgangslage war also eher Routine bis Langeweile.

Yamakoshi liegt etwa 80km südlich an vorderster Front der Küstenberge auf etwa 400m.ü.M.. Man sagte mir, es werde sehr viel Schnee haben, doch was ich schliesslich zu sehen bekam, hatte ich kaum erwartet. Yamakoshi hatte sich ins Auenland der Hobbits verwandelt in deren runden Hügeln sich die kleinen Häusschen verstecken. Mit dem Unterschied, dass die Hügel pure Schneemassen waren. 4m Schnee.  So hoch, dass beim allfälligen Pulverschneefahren Zäune und Wegweisschilder keine Rolle spielen würden, da man einfach darüber fährt.

Wir haben im Herbst kleine Pfosten à ein Meter Höhe – ähnlich einem Dreibein – aufgestellt, welche verhindern das der Schnee ins rutschen kommt. Klassische Lawinenprävention. Um herauszufinden, wie stark der Schneedruck an solchen Pfosten ist, haben wir ein Messgerät mit lokalem Speicher installiert. Der springende Punkt ist, dass der Speicher der Daten unmittelbar hinter dem Dreibein in einer Box verpackt ist. So ungefähr in 3.8m Schneetiefe.  Das Ziel der Arbeit wäre gewesen, die gespeicherten Messungen mit einem USB-Stick abzuholen, bevor sie verloren gehen könnten.

Ich glaube, man muss kein Ingenieur sein, um herauszufinden, dass mit nur 4 Mann, 3 Schaufeln und null Stützlatten es ziemlich unmöglich ist, auf 3.8m zu graben. Insbesondere an einem Hang, der geeignet ist, um Experimente an LAWINENverbauungen zu tätigen. Auf jeden Fall haben wir trotz allem versucht, die Box mit dem Speicher zu erreichen. Mein Boss ist entweder ein grausamer Optimist oder er sieht vor lauter Neugierde auf die Messresultate, die Gefahren und die Realität nicht mehr so gut.

Ein Bisschen vorbereitet waren wir hingegen schon. So ab 1.5m Schnee ist es schwierig von der Strasse aus die rasierklingenscharf gefrässten Schneewände zu erklimmen. Bei 1.5m kann man sich noch einen Treppe reinschaufeln, doch bei 4m geht dies auch nicht mehr. Man befindet sich regelrecht in einer Schlucht. Soweit haben wir gedacht, und kamen von daher mit einer Leiter angerückt.

Hierarchie ist in Japan ja bekanntlich sehr wichtig, was mir eine enorme Macht über meine Kohais verschafft. (Kohai = Unterstift/Unter-mitarbeiter). Nicht dass ich diese Macht ausnützen würde, jedoch habe ich mich schon letztes Jahr mit dem selben Experiment abgemüht, so dass ich gerne meine Kohais versuchen liess sich überhaupt einen Weg in die Schneeübermacht reinzuschaufeln. Mit der Zeit werden diese Schneeexzesse eher mühsam als spektakulär. Eifrig schaufelte ein Kohai vorabs meines Bosses einen Weg zu der ungefähren Lage des Dreibeins. Und wer hätte das gedacht, es entpuppte sich als unmöglich zu der Box zu kommen, so dass mein Boss die Mission abbrach. Tja.

Mein zweiter Kohai, welcher in der Schlucht zurückblieb, musste sich irgendwie die Zeit vertreiben. Der Schaufeltrupp war fast eine Stunde beschäftigt. Auf einer Strasse ohne Aussicht und ohne Trottoir um auf den Randstein zu sitzen, ist es wahrhaftig ziemlich öde. Mein Kohai tat also was wahrscheinlich jeder dort unten mal gemacht hätte: den Finger in die Schneewand stecken. Sympathisch.

Der ganze Schneespass ist aber keine normale Übung für die lokalen Japaner. Alle fassen Spezialarbeit von der Gemeinde oder von der Ehefrau. Überall wird geschaufelt, gepflügt und gefrässt. Sei es die eigen Garageneinfahrt oder das Dach des Nachbarn – alles wird sich hart freigekämpft. Eine beeindruckende Arbeitsleistung.

Ein ganzer Trupp kann in einem Tag etwa ein Hausdach entlasten. Zuerst wird der Schnee vom Dach gekippt und schliesslich noch abtransportiert. Bei diesen Massen findet sich einfach keine Ecke mehr, wo man den zusätzlichen Schnee noch hinschippen könnte. Auf dem Land (Photo mit den Jungs in blauer Kleidung) transportieren tatsächlich Lastwagen den Schnee etwas weiter über irgend ein Bord hinaus, wogegen in der Stadt Wasserkanäle am Strassenrand existieren die den Schnee schmelzen und abtransportieren zugleich (Photo mit dem Lampenschirmhutmann).

Man sagt mir durchs Band, dass dies ein extremer Winter sei. Viel mehr Schnee als üblich. Aber von meinen zwei Winter hier ist dies der zweite extreme Winter. Ich glaube der Sache irgendwie nicht mehr, lasse mich aber auch nicht runterkriegen.

 

Winter: Round 2 Januar 10, 2011

Filed under: la réalité dure,sacrée vie japonaise — chrigusan @ 11:19 vormittags

Nach kurzem aber sehr schönem Heimaturlaub über die Festtage, bin ich wieder im Japanischen Winter angekommen. Voller Wärme und guter Erinnerungen an Familie und Freunde bin ich gewappnet für den eisige Kälte.

Den Schlafsackanzug sehe ich als Eingeständnis für sehr kalte Wohnungen. Rund 95 Franken investieren und nur eine kleine Demütigung auf sich nehmen, schon lebt man endlich wieder. Für ein Iglu-Wochenende oder für die Fasnacht ganz ok, aber jeden Tag!? Ich trotze lieber dem Winter und murre etwas rum. Das fiese an der frierenden Situation ist, dass man als Schweizer null Verständnis bekommt, sich wegen der Eiskälte zu beschweren. Also sehr oft krieg ich zu hören, ich sei doch aber aus der Schweiz…  Re: Ja, aber wir haben warme Häuser dank Isolation! Re:Re: Wir brauchen keine Isolation; es ist so heiss im Sommer. ReReRe: …?!

Ein weiteres heiteres Japanbild ist mir in die Hände gefallen:

Ab und zu sieht man diese fake EU-Nummernschilder hinter Japanischen. Bei einem Peugeot oder einem VW macht es auch nicht viel Sinn – es ist zum Lachen, doch mindestens ist es nicht ganz so ironisch wie das Vorgetäuschte dieses Hondabesitzers. Nach all der Mühe, sich das Japanische Auto in Deutschland gekauft und zurück nach Japan geschifft zu haben, konnte er sich nicht mehr die Mühe nehmen, die Plakete, welche in Europa ja bestimmt an den Wagen gelassen werden, abzunehmen. Keinen weiteren Kommentar.

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Mein direkter Chef und ich gingen noch im alten Jahr an die Japanische Konferenz von Structural Impact Engineering. Die war international, da jeder kommen durfte, der sich anmeldete. Effektiv war sie aber national, da man auf japanisch referierte, ausser ich und 3 weitere. Zwei Tage und etwa fünfzig Referate erlebte respektive überlebte ich. Obwohl das Ingenieurwesen auf Skizzen, Schemen und Graphen basiert, habe ich nicht alles verstanden. Japanisch bleibt eine schwierige Sprache. Ich genoss die Erfahrung und konzentrierte mich auf die non-verbale Kommunikation der Referenden. Die  meistens Berufskollegen waren sehr gut in ihrem Auftreten. Da war ich positiv überrascht. Einzig ein wahrhaft verrückter Professor verschwand plötzlich hinter dem Rednerpult, weil er während seiner Präsentation so tief in seinen Laptop kroch. Den mahnenden Zeigefinger, man solle das spannende Bild seiner Computersimulation beachten, war das einzige, was man zeitweise vom erwürdigen Professor noch sah. Lachen und Schmunzeln war in dieser Situation natürlich tabu. Zum Glück habe ich inzwischen Übung in der Kontrolle meiner Gesichtsmuskeln.

Gleichaltrige Doktoranden wurden von Ihren Professoren auch zur Präsentation geschickt. Die meisten ware sichtlich noch nicht bereit für eine Präsentation, da ihre Arbeiten noch unvollständig waren. Jeder von ihnen musste schliesslich eine Fragerunde überstehen, wo sie wahrhaftig nich geschont wurden. Irgendwie kam es mir vor, als stellten die Professoren zum trotz fragen. Vielleicht auch nur um zu zeigen wer noch der Meister ist. Die meisten Doktoranden hielten ihren Kopf hin und antworteten, dass sie die Lösung noch nicht wissen. Vermutungen und noch unbewiesene Thesen zu formulieren trauten sie sich nicht. In dieser Situation, glaube ich, schadet der kulturelle Unterschied dem japanischen Fortschritt. Egal, ich durfte es ja selber nach meinem Gusto haben mit meiner eigenen Präsentation.

10 Minuten durfte ich unseren kleinen aber effizienten Steinschlag Schutzzaun präsentieren. In einem 1:1 Experiment haben wir unseren Zaun mit 100kJ Einschlägen (1oookg aus 10m höhe) auf Herz und Nieren geprüft. Die Resultate habe ich zu einem Wissenschaftlichen Bericht zusammengefasst, welchen ich dann präsentieren durfte. Glücklicherweise, ergeben sich bei solch einem Experiment eindrückliche Videos, die, als ich sie zeigte, klar die Aufmerksamkeit der Zuhörer gewannen. Sogar Super-slomotion konnten ich bieten! (Wer damals an meiner Maturapräsentation anwesend war, kennt mein Flair für Zeitlupen.) Mit den Videos und einem kurzen aber in sich geschlossenem Inhalt, war meine Präsentation ziemlich passabel. Anschliessend stellte auch ich mich den Fragenden. Nach 5 Jahren Studium und etwa 50 mündlichen Prüfungen und Präsentationen, hat sich doch etwas Routine entwickelt, so dass auch die Fragerunde einigermassen gut verlief.

Bei Geschäftsreisen, wie üblich in Japan, ist der Soziale Teil auch sehr wichtig. Da lernt man sich besonders gut kennen und das gegenseitige Vertrauen wird gestärkt. Kurz gesagt man geht zusammen trinken auf Kosten des Chefs oder der Firma. Die Konferenz war auf Kyushu Island in Fukuoka. Wir waren also in einer grossen Stadt auf der südlichsten Insel der vier Hauptinseln. Euphorisch das Kalte Niigata verlassen zu haben und die Arbeit hinter uns zu haben, suchten wir eine gute Bar. Wir landeten in schliesslich in einer echten Weinbar, die eine echte Auswahl an Wein bot. Da wir von fern und sehr fern kamen, ergaben sich gute gespräche mit Einheimischen.

Nächsten Tags, Sightseeing in Fukuoka. Gespannt auf die Stadt, fuhren wir aufs Land Fukuokas berühmten Tempel besichtigen. Nur weil viele Japaner gerne diesen Tempel anschauen gehen, heisst nicht, dass es das Bemerkenswerteste in Fukuoka ist. Mein Chef war Guide und ich folgte ihm. Ich räche mich dann vielleicht einmal in der Schweiz und schleppe ihn auf den Gurten bei Nebel. Es folgen meine Impressionen Fukuokas, der fünftgrössten Stadt Japans:

Hat was von Trainspotting

Wahrhaftig sie existiert! Endlich habe ich sie gefunden…

 

I love cougars November 20, 2010

Filed under: Uncategorized — chrigusan @ 8:29 vormittags

Wochen bevor Halloween kam, hat sich Vorfreude darauf verbreitet. Bei Weihnachten tut sich nichts ausser, dass die Deko der Geschäfte sich anpasst. Aber bei Halloween, da scharren alle mit den Hufen. Am meisten beschäftigt die Leute wie sie sich verkleiden sollen.  Dies passt natürlich gut zu Japan, wo man sich generell gerne verkleidet, sei es traditionell oder als Mangacharaktere.

Selber habe ich den Hype auch mitgemacht. Im Vorfeld habe ich überlegt und die Varianten eines Kostüms abgewägt. Irgendwann kam mir doch noch eine gute, einfache und machbare idee. Der Slogan meines Kostüms ” I love cougars ” spielt natürlich auf attraktive ältere Damen an und sollte alleine für sich nur bedeuten, dass mir Krähenfüsse bei den Augen weniger missfallen als ein Mangel an Erfahrung. Cougars bedeutet aber im herkömmlichen Sinn noch Wildkatzen. Diese Doppeldeutigkeit findet sich schliesslich im Rest meines Kostüms, wo überall Kratzspuren von Wildkatzen zu finden sind. (oder eben doch von einem romantischen abenteuer).

Japaner verstanden das Wortspiel nicht wie auch die Russen und der Schwede. Aber bei den Amis kam es echt gut an. Sowas hätten sie dem Swiss nicht zugetraut ;-P Glücklicherweise war die Ausführung der Kratzer und mein selbstgemachtes Filmblud echt gelungen. So kam das Kostüm auch unverstanden gut rüber.

Ich muss erwähnen, dass nicht die ganze Stadt sich verkleidet und dass doch ein paar Einheimische die Tradition von Halloween nicht kennen. So war es ein heiteres Blicke sammeln all der Leute, die sich ab mir mehr als wunderten. Zugespitzt war es in den 12min Zugfahrt. Da ich alleine von Toyosaka in die Stadt kam, blieb mir nichts anderes übrig als schweigend im Zug zu stehen und keine Kinder zu erschrecken.

Die Party war gut und der Aufwand hat sich gelohnt. Der Spruch jemandem an die Wäsche gehen blüht zu Halloween auf.

 

 

Chalet Suisse à Toyosaka November 3, 2010

Filed under: crazy foreign kids,sacrée vie japonaise — chrigusan @ 10:54 vormittags

Welch ein Spätsommer! Toyosaka hatte wahrscheinlich noch nie so viel Swissness gesehen und wird es vielleicht auch nie mehr wieder. Für eine kurze Zeit hat man in der People-class Toyosakas Berndeutsch gesprochen. Da es sich bei bei meinem Vorrortdorf um eine 5000 Seelengemeinde Reissbauer handelt, darf man getrost behaupten, dass mein Schweizer Besuch und ich das Internationaleste und somit die People  waren.

Single Traveler Lukas kam auf einen Besuch vorbei. Vorbildlich, hat er auch gut Käse, Schokolade und Wein mitgebracht. Eigentlich stehe ich nicht besonders auf Gastgeschenke, doch diesmal haben die Geschenke ihre Wirkung nicht verfehlt. Der gute Geschmack von echtem Käse und richtigem Wein hier in Japan fühlte sich nach zu Hause an. Wie einst ein Japanischer Dude zu mir sagte, der Kopf mag das Origami vergessen haben, doch dein Hand wird sich erinnern, soblad du faltest. So erzähle ich nun in Japan weise über Schweizer Käse herum, dass man sich nicht an den Geschmack erinnern kann, jedoch wird es sich deine Nase, sobald du Schweizer Käse isst.

Item. Lukas kam noch zu bester Sommerzeit und er konnte dadurch das heisse Wetter geniessen. Als ich durch die Woche arbeitete, reiste Lukas mit Zug und JR-Pass (das japanische GA für Touristen) umher. Obwohl sein Handy nicht funktionierte, konnten wir uns immer irgendwie wieder fürs Wochenende treffen. Alleine zu reisen ist in Japan ein eigene Sache, da man sich sehr schnell mit internationale Touristen anfreudet. Sobald man einen Westler trifft, hat man einen interessanten Gesprächspartner. Besonders trifft dies in Jugendherbergen zu. Für alle typischen Schweizer, die sich lieber mit der lokalen Kultur und Bevölkerung abtun würden, sei gesagt, dass nach dem zehnten Smallest Talk auch der authentischste Abenteurer sich geschlagen gibt. Schliesslich will doch jeder einmal reden und nicht nur der Stimmung entsprechende Töne wie Seufzen, Lachen und Ächzen von sich geben. Bei dem belässt es sich nämlich mit den allermeisten Japanern.

Wie in Sex and the City gingen wir zum Coiffeur. Lukas wollte eine bessere Frisur und ich wollte schon immer einmal den echten Tratsch im Salon haben. Zweifelsohne ist das eine spassige Sache, welche man(n) sich bei Gelegenheit nicht entgehen lassen sollte. Mein Japanisch ist nicht sehr gut, doch bei weitem besser als Lukas’. Logisch. So konnte ich ihm helfen; denn sein Coiffeur verstand nicht einmal “cut” und “short”. In japanischen Ohren extrem harsch empfahl er seinem Coiffeur daher Kiru und Mijikai. In diesem Moment sah ich mich selbst in dem Nachbarstuhl, wie ich vor gut einem Jahr noch ahnungslos von japanischer Höflichkeit mit den Japanern versucht habe zu kommunizieren.

Frisch und chic gingen wir nach Niigata für Strand und Party.

Wieder einmal nicht der einzige Schweizer in Niigatas Bars und Clubs zu sein tat gut. Das Wort “Proscht” fiel für seinen eigentlichen Zweck und nicht wie sonst, wo ich es als Attaché culturel der Schweiz erläutere. Logischerweise hatte Lukas mehr Freude am “Kanpaiii!”. Wir tranken jedoch genug um uns nicht gegenseitig am Proscht oder Kanpai zu stören. Lukas’ Charme kannte keine Sprachprobleme und so sassen wir nicht alleine. Oder anders gesagt, so liefen meine Freunde nicht davon :o) Lukas hat sich unglaublich gut integriert. Ich bin mit ihm an den unwirklichsten Orten gelandet…

Ich glaube nach all meinen bisherigen Gästen, hinterlässt die Schweiz ein sehr gutes Bild bei den Niigataern. Und entsprechend der Gäste, die noch kommen werden, kann man ja noch nach Tokio ausweichen ;-D

Der Spass war nach kurzer Zeit leider vorbei. Doch dämpfte es meine Stimmung wenig, da schon der Nächste Besuch zweier Globetrotter anstand. Andrea und Dänu kamen auf ihrem weg von Sibirien nach Okinawa (tropisches Inselparadies) in Niigata vorbei.

Als die beiden bei mir ankamen, hatten sie schon ein buchdickes Abenteuer hinter sich. Einen Monat langen wanderten sie in Russland in der Region des Balkalsees und im Osten und einen weiteren Monat auf Hokkaido.  Mit dem Schlafsack und Zelt unterwegs, war ihnen mein Tatami (Reismattenboden) und Futon (Schlafmaträtzchen) sehr willkommen. Sie kamen von Steppen und Hügel in die Zivilisation, selbst wenn dies nur mein Kaff von Toyosaka war.

Leider war der Sommer zu diesem Zeitpunkt etwas vorbei. Vielleicht zum Glück beider Gäste! Denn im Gegensatz zu Lukas jagte ich meine beiden Gäste nicht früh morgens an den Strand. Ich liess ihnen nach all dem Reisen ihre verdiente Ruhe und wir genossen zusammen sehr ausführliche Brunchs. Meine Wohnung wurde richtig gemütlich, was uns alle drei erstaunte.

Da der Strand nur noch halber Spass war, zeigte ich den beiden die Reisfelder. Ein must-see Niigatas, leider wegen mangelnder Alternativen. Langweilig wurde uns hingegen nie. Die beiden hatten ja schon einen Monat Japan hinter sich, so dass wir uns gnüsslichst über die Japaner und deren Verhalten austauschen konnten. Hut ab vor den beiden, sie müssen sich mehr als gut mit den Tschapänern herumgeschlagen haben.

Wie es sich für Japaner gehört haben wir noch Erinnerungsfotos in einem Automaten genommen. Dänus digitale Spiegelreflexkamera und meine Sounie Saiberschott genügen schliesslich nicht. Der Ulk in Japan besteht darin, sich in einen Automaten zu quetschen, welcher einem photographiert, und anschliessend die Photos mit jensten Sujets digital zu verzieren. Sehr beliebt bei den Girls, welche mit ihrem Gekichere und mehr sehr gut in die Tonkulisse dieser lärmenden Automaten reinpassen. Andrea, Dänu und mir fehlte etwas die Energie eines 16 jährigen (T.T)

Andrea und Dänu zogen schliesslich weiter nach Tokio und wurden nicht nur von mir in Niigata vermisst. Ich glaube Niigatas Reisebüros werden einen Boom für Europareisen erfahren. Noch heute sagen mir meine japanische Freunde, dass wir so anders sind als die anderen Westler.

Wir sahen uns in Tokio noch auf einen letzten Schwatz, bevor sie südwärts zogen und ich zurück in die Mine schufften ging.

 

 
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