How I live in Niigata

Just another foreign guy in Japan, but the first one who worked for the O Bolles Restaurant

erstes fettnäpfchen März 8, 2010

Filed under: la réalité dure — chrigusan @ 2:30 pm

Lange ist es her seit meinem letzten Beitrag. Es geht mir aber gut. Die neuste Erkenntnis aus Japan ist mir, dass Fettnäpfchen doch auch in Japan eine unangenehme Sache sein, obwohl sie in unserer Vorstellung vielleicht als lustiger Schenkelklopfer erscheinen.

Vor einer Woche hatten wir in der Firma einen interessanten Besuch. Ein Felsmechanik Ingenieur aus Kananda kam zu einer Minikonferenz zu unserer Firma. Ich habe ihn im Vorfeld gegoogelt und war im Guten überrascht. Es war ein echt interessanter Gast. Seine Präsentation war auch nicht von schlechten Eltern, so dass ich ihm einige Fragen stellte danach. Der wichtigste Grund für mein Interesse war in der Tat sein vorgestelltes Projekt und nicht etwa, die möglichkeit mal Englisch zu sprechen oder von der täglichen Arbeit fern zu bleiben, was auch denkbar wäre xD

Nun, die Diskussion nach dem Vortrag und mein Beitrag hat auch meinem Chef gefallen. Leider war es auch der Grundstein für den zweiten unangenehmen Teil der Minikonferenz. Der zweite Referent war ein japanischer Professor, welcher notabene meine Anstellung bei der Firma ermöglichte. Zu Beginn, stehe ich also schon ein wenig in seiner Schuld. Gut, dies genierte mich in keiner Weise im Vornherein, jedoch ist es in der Bilanz des Ereignis doch sehr ungeschickt… Anyways…

Der Professor erzählte etwas nicht Welt bewegendes. Es war weniger originell als der vorherige Vortrag und seine Resultate liessen echt zu wünschen übrig. Ich habe dies früh während des Vortrags gemerkt. Ich resignierte auf meinem Stuhl und hörte weniger gespannt hin. Schlagartig realisiere ich aber, dass ich trotz mangelndem Interesse mindestens auch eine Frage formulieren muss. Der Fall ist klar: Ich frage den Kanadier einige verschiedene Fragen und wage mich vor meinem Boss und den Referenten mich auszudrücken. Wenn ich jetzt keine einzige Frage dem Japaner stelle, ist jedem im Saal klar, dass es mich nicht interessiert hat. Was ja auch stimmt, und man mir sogar auch erlaubt! … … nur es so offen auszudrücken ist eine Frechheit. Zum Zeitpunkt dieser Erkenntnis war der Preofessor schon gegen Ende seines Referats.

Ich hatte noch ein paar wenige Minuten Zeit mir etwas aus den Fingern zu saugen. Die Situation realisierend, fand ich den Moment selber faszinierend. Irgendwie schon spannend, wie man plötzlich der Höflichkeit wegen gezwungen wird etwas zu sagen. Passiere ich diesen Test der Sozialkompetenz in Japan? Die spannende Frage wäre gewesen: ‚ Ihr Vortrag interessiert mich wenig, aber was würden Sie an meiner Stelle tun?‘

Der Kanadier hat vorläufig das heisse Eisen in die Finger genommen und stellt nun seinerseits ein paar Fragen an den japansichen Professor. Der kanadische Blick verriet Bände, als er um anfänglich um Worte ringte. Er befindet sich definitiv in der selben Zwickmühle wie ich. Jedoch hat er seine Fragen gefunden, wo er die nur hergenommen hat? Zweifelsfrei, machen sich 30 Jahre mehr Erfahrung erkennbar. Dieser Kanadier beeindruckt. Das Gespräch wird interessanter und ich höre zu. Der Kanadier hat sich elegant aus der Affäre gezogen und das Interesse aller zurück erzeugt. Als ich diesen Gedanke in diesem Moment fasste, war es mein letzter Angenehmer, bevor ich selber ins geahnte Unglück nach Plan schlitere.

Die Blicke wenden sich vom Kanadier ab, und drehen langsam aber stetig zu mir. Wie im Film! (Allerletzter guter Gedanke). Nun bin ich im geahnten Pat: Sie erwarten alle eine Frage. Ohne die geringste Idee und mit einem guten ‚Well,..‘ lege ich los.

Ich hätte lieber nichts gesagt und das erste kleinere Übel genommen. Denn wie ich so sprechend  am Zeit schinden bin, halte ich mich am einzigen Ideenfetzen fest, der mir in dieser Situation in den Sinn kommt. Zuerst heilfroh was Echtes sagen zu können, schliesslich unglaubend dumm, formuliere ich eine Kritik, die dem eines unsanften Professors gegenüber einem Studenten gleich kommt. Noch während dem sprechen, verdrehen innerlich alle ( mich eingeschlossen ) die Augen.

Der Situation gab es nichts gutes abzunehmen. Nach einer kurzen Minute einer nötigen Antwort auf meine Frage, wurde klanglos zum nächsten Programmpunkt gewechselt. Es war meines erstes unangenehmes Auffallen. Aber es wurde nie wieder davon gesprochen. Mein Chef hat nie etwas gesagt.

Die Japaner glauben wahrscheinlich es sei der kulturelle Unterschied. Ich kaschiere so dankbar für diesen Schutzschlid meine Ungeschicktheit. Schweigen ist Gold.

 

3 Responses to “erstes fettnäpfchen”

  1. tom Says:

    schöner spannungsbogen, brüetsch! echt beeindruckend. hat etwas von thomas mann…🙂

  2. Simon Says:

    Solide Vorstellung! =)

    Chunsch eigentlech wieder mau uf Bern? Dr Tom het so öpis verzeut, ha aber scho wieder vergesse wenn.

    Lg

    • chrigusan Says:

      Hei Itoko (cousin), Solids Brndtsch vo dir. Ha ersch ir email adrsse gseh, dass es du bisch. Vom inhalt chnnts so ziemlich jede si wo i kenne. Aber i gloub s du meinsch dr Tom Iseli u nid mi Bretsch. Anyways, I ha s vor z cho, jedoch han i no nt offiziells gseiht, weil i mis billet immer no nid ha – nume reservation. Aber das stt scho klappe, u i chm i dmfau ndi April afangs Mai so a die 12 tg😀 cu


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