How I live in Niigata

Just another foreign guy in Japan, but the first one who worked for the O Bolles Restaurant

Chalet Suisse à Toyosaka November 3, 2010

Filed under: crazy foreign kids,sacrée vie japonaise — chrigusan @ 10:54 am

Welch ein Spätsommer! Toyosaka hatte wahrscheinlich noch nie so viel Swissness gesehen und wird es vielleicht auch nie mehr wieder. Für eine kurze Zeit hat man in der People-class Toyosakas Berndeutsch gesprochen. Da es sich bei bei meinem Vorrortdorf um eine 5000 Seelengemeinde Reissbauer handelt, darf man getrost behaupten, dass mein Schweizer Besuch und ich das Internationaleste und somit die People  waren.

Single Traveler Lukas kam auf einen Besuch vorbei. Vorbildlich, hat er auch gut Käse, Schokolade und Wein mitgebracht. Eigentlich stehe ich nicht besonders auf Gastgeschenke, doch diesmal haben die Geschenke ihre Wirkung nicht verfehlt. Der gute Geschmack von echtem Käse und richtigem Wein hier in Japan fühlte sich nach zu Hause an. Wie einst ein Japanischer Dude zu mir sagte, der Kopf mag das Origami vergessen haben, doch dein Hand wird sich erinnern, soblad du faltest. So erzähle ich nun in Japan weise über Schweizer Käse herum, dass man sich nicht an den Geschmack erinnern kann, jedoch wird es sich deine Nase, sobald du Schweizer Käse isst.

Item. Lukas kam noch zu bester Sommerzeit und er konnte dadurch das heisse Wetter geniessen. Als ich durch die Woche arbeitete, reiste Lukas mit Zug und JR-Pass (das japanische GA für Touristen) umher. Obwohl sein Handy nicht funktionierte, konnten wir uns immer irgendwie wieder fürs Wochenende treffen. Alleine zu reisen ist in Japan ein eigene Sache, da man sich sehr schnell mit internationale Touristen anfreudet. Sobald man einen Westler trifft, hat man einen interessanten Gesprächspartner. Besonders trifft dies in Jugendherbergen zu. Für alle typischen Schweizer, die sich lieber mit der lokalen Kultur und Bevölkerung abtun würden, sei gesagt, dass nach dem zehnten Smallest Talk auch der authentischste Abenteurer sich geschlagen gibt. Schliesslich will doch jeder einmal reden und nicht nur der Stimmung entsprechende Töne wie Seufzen, Lachen und Ächzen von sich geben. Bei dem belässt es sich nämlich mit den allermeisten Japanern.

Wie in Sex and the City gingen wir zum Coiffeur. Lukas wollte eine bessere Frisur und ich wollte schon immer einmal den echten Tratsch im Salon haben. Zweifelsohne ist das eine spassige Sache, welche man(n) sich bei Gelegenheit nicht entgehen lassen sollte. Mein Japanisch ist nicht sehr gut, doch bei weitem besser als Lukas‘. Logisch. So konnte ich ihm helfen; denn sein Coiffeur verstand nicht einmal „cut“ und „short“. In japanischen Ohren extrem harsch empfahl er seinem Coiffeur daher Kiru und Mijikai. In diesem Moment sah ich mich selbst in dem Nachbarstuhl, wie ich vor gut einem Jahr noch ahnungslos von japanischer Höflichkeit mit den Japanern versucht habe zu kommunizieren.

Frisch und chic gingen wir nach Niigata für Strand und Party.

Wieder einmal nicht der einzige Schweizer in Niigatas Bars und Clubs zu sein tat gut. Das Wort „Proscht“ fiel für seinen eigentlichen Zweck und nicht wie sonst, wo ich es als Attaché culturel der Schweiz erläutere. Logischerweise hatte Lukas mehr Freude am „Kanpaiii!“. Wir tranken jedoch genug um uns nicht gegenseitig am Proscht oder Kanpai zu stören. Lukas‘ Charme kannte keine Sprachprobleme und so sassen wir nicht alleine. Oder anders gesagt, so liefen meine Freunde nicht davon :o) Lukas hat sich unglaublich gut integriert. Ich bin mit ihm an den unwirklichsten Orten gelandet…

Ich glaube nach all meinen bisherigen Gästen, hinterlässt die Schweiz ein sehr gutes Bild bei den Niigataern. Und entsprechend der Gäste, die noch kommen werden, kann man ja noch nach Tokio ausweichen ;-D

Der Spass war nach kurzer Zeit leider vorbei. Doch dämpfte es meine Stimmung wenig, da schon der Nächste Besuch zweier Globetrotter anstand. Andrea und Dänu kamen auf ihrem weg von Sibirien nach Okinawa (tropisches Inselparadies) in Niigata vorbei.

Als die beiden bei mir ankamen, hatten sie schon ein buchdickes Abenteuer hinter sich. Einen Monat langen wanderten sie in Russland in der Region des Balkalsees und im Osten und einen weiteren Monat auf Hokkaido.  Mit dem Schlafsack und Zelt unterwegs, war ihnen mein Tatami (Reismattenboden) und Futon (Schlafmaträtzchen) sehr willkommen. Sie kamen von Steppen und Hügel in die Zivilisation, selbst wenn dies nur mein Kaff von Toyosaka war.

Leider war der Sommer zu diesem Zeitpunkt etwas vorbei. Vielleicht zum Glück beider Gäste! Denn im Gegensatz zu Lukas jagte ich meine beiden Gäste nicht früh morgens an den Strand. Ich liess ihnen nach all dem Reisen ihre verdiente Ruhe und wir genossen zusammen sehr ausführliche Brunchs. Meine Wohnung wurde richtig gemütlich, was uns alle drei erstaunte.

Da der Strand nur noch halber Spass war, zeigte ich den beiden die Reisfelder. Ein must-see Niigatas, leider wegen mangelnder Alternativen. Langweilig wurde uns hingegen nie. Die beiden hatten ja schon einen Monat Japan hinter sich, so dass wir uns gnüsslichst über die Japaner und deren Verhalten austauschen konnten. Hut ab vor den beiden, sie müssen sich mehr als gut mit den Tschapänern herumgeschlagen haben.

Wie es sich für Japaner gehört haben wir noch Erinnerungsfotos in einem Automaten genommen. Dänus digitale Spiegelreflexkamera und meine Sounie Saiberschott genügen schliesslich nicht. Der Ulk in Japan besteht darin, sich in einen Automaten zu quetschen, welcher einem photographiert, und anschliessend die Photos mit jensten Sujets digital zu verzieren. Sehr beliebt bei den Girls, welche mit ihrem Gekichere und mehr sehr gut in die Tonkulisse dieser lärmenden Automaten reinpassen. Andrea, Dänu und mir fehlte etwas die Energie eines 16 jährigen (T.T)

Andrea und Dänu zogen schliesslich weiter nach Tokio und wurden nicht nur von mir in Niigata vermisst. Ich glaube Niigatas Reisebüros werden einen Boom für Europareisen erfahren. Noch heute sagen mir meine japanische Freunde, dass wir so anders sind als die anderen Westler.

Wir sahen uns in Tokio noch auf einen letzten Schwatz, bevor sie südwärts zogen und ich zurück in die Mine schufften ging.

 

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