How I live in Niigata

Just another foreign guy in Japan, but the first one who worked for the O Bolles Restaurant

Versunken im Schnee Februar 6, 2011

Filed under: la réalité dure — chrigusan @ 2:20 pm

Der Winter zeigt sich echt keine Blösse. Neulich mussten wir wieder einmal nach Yamakoshi ausrücken um an einem Schneeexperiment Messungen vorzunehmen. Letztes Jahr war ich schon des öfteren dort um am selben Experiment zu studieren. Die Ausgangslage war also eher Routine bis Langeweile.

Yamakoshi liegt etwa 80km südlich an vorderster Front der Küstenberge auf etwa 400m.ü.M.. Man sagte mir, es werde sehr viel Schnee haben, doch was ich schliesslich zu sehen bekam, hatte ich kaum erwartet. Yamakoshi hatte sich ins Auenland der Hobbits verwandelt in deren runden Hügeln sich die kleinen Häusschen verstecken. Mit dem Unterschied, dass die Hügel pure Schneemassen waren. 4m Schnee.  So hoch, dass beim allfälligen Pulverschneefahren Zäune und Wegweisschilder keine Rolle spielen würden, da man einfach darüber fährt.

Wir haben im Herbst kleine Pfosten à ein Meter Höhe – ähnlich einem Dreibein – aufgestellt, welche verhindern das der Schnee ins rutschen kommt. Klassische Lawinenprävention. Um herauszufinden, wie stark der Schneedruck an solchen Pfosten ist, haben wir ein Messgerät mit lokalem Speicher installiert. Der springende Punkt ist, dass der Speicher der Daten unmittelbar hinter dem Dreibein in einer Box verpackt ist. So ungefähr in 3.8m Schneetiefe.  Das Ziel der Arbeit wäre gewesen, die gespeicherten Messungen mit einem USB-Stick abzuholen, bevor sie verloren gehen könnten.

Ich glaube, man muss kein Ingenieur sein, um herauszufinden, dass mit nur 4 Mann, 3 Schaufeln und null Stützlatten es ziemlich unmöglich ist, auf 3.8m zu graben. Insbesondere an einem Hang, der geeignet ist, um Experimente an LAWINENverbauungen zu tätigen. Auf jeden Fall haben wir trotz allem versucht, die Box mit dem Speicher zu erreichen. Mein Boss ist entweder ein grausamer Optimist oder er sieht vor lauter Neugierde auf die Messresultate, die Gefahren und die Realität nicht mehr so gut.

Ein Bisschen vorbereitet waren wir hingegen schon. So ab 1.5m Schnee ist es schwierig von der Strasse aus die rasierklingenscharf gefrässten Schneewände zu erklimmen. Bei 1.5m kann man sich noch einen Treppe reinschaufeln, doch bei 4m geht dies auch nicht mehr. Man befindet sich regelrecht in einer Schlucht. Soweit haben wir gedacht, und kamen von daher mit einer Leiter angerückt.

Hierarchie ist in Japan ja bekanntlich sehr wichtig, was mir eine enorme Macht über meine Kohais verschafft. (Kohai = Unterstift/Unter-mitarbeiter). Nicht dass ich diese Macht ausnützen würde, jedoch habe ich mich schon letztes Jahr mit dem selben Experiment abgemüht, so dass ich gerne meine Kohais versuchen liess sich überhaupt einen Weg in die Schneeübermacht reinzuschaufeln. Mit der Zeit werden diese Schneeexzesse eher mühsam als spektakulär. Eifrig schaufelte ein Kohai vorabs meines Bosses einen Weg zu der ungefähren Lage des Dreibeins. Und wer hätte das gedacht, es entpuppte sich als unmöglich zu der Box zu kommen, so dass mein Boss die Mission abbrach. Tja.

Mein zweiter Kohai, welcher in der Schlucht zurückblieb, musste sich irgendwie die Zeit vertreiben. Der Schaufeltrupp war fast eine Stunde beschäftigt. Auf einer Strasse ohne Aussicht und ohne Trottoir um auf den Randstein zu sitzen, ist es wahrhaftig ziemlich öde. Mein Kohai tat also was wahrscheinlich jeder dort unten mal gemacht hätte: den Finger in die Schneewand stecken. Sympathisch.

Der ganze Schneespass ist aber keine normale Übung für die lokalen Japaner. Alle fassen Spezialarbeit von der Gemeinde oder von der Ehefrau. Überall wird geschaufelt, gepflügt und gefrässt. Sei es die eigen Garageneinfahrt oder das Dach des Nachbarn – alles wird sich hart freigekämpft. Eine beeindruckende Arbeitsleistung.

Ein ganzer Trupp kann in einem Tag etwa ein Hausdach entlasten. Zuerst wird der Schnee vom Dach gekippt und schliesslich noch abtransportiert. Bei diesen Massen findet sich einfach keine Ecke mehr, wo man den zusätzlichen Schnee noch hinschippen könnte. Auf dem Land (Photo mit den Jungs in blauer Kleidung) transportieren tatsächlich Lastwagen den Schnee etwas weiter über irgend ein Bord hinaus, wogegen in der Stadt Wasserkanäle am Strassenrand existieren die den Schnee schmelzen und abtransportieren zugleich (Photo mit dem Lampenschirmhutmann).

Man sagt mir durchs Band, dass dies ein extremer Winter sei. Viel mehr Schnee als üblich. Aber von meinen zwei Winter hier ist dies der zweite extreme Winter. Ich glaube der Sache irgendwie nicht mehr, lasse mich aber auch nicht runterkriegen.

 

2 Responses to “Versunken im Schnee”

  1. tom Says:

    statt finger in die wand, was lustiges reinpinkeln wäre auch lustig… wall of fame oder so, nur gelber!

    • chrigusan Says:

      stimmt, die perfekte Leinwand sozusagen. Nur sind sie nicht so gut in zusammengehängter Schrift. Die Pinselschläge der Kanji Schriftzeichen inspirieren eher weniger zum schreiben…


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