How I live in Niigata

Just another foreign guy in Japan, but the first one who worked for the O Bolles Restaurant

glamouröse 2 sekunden März 1, 2011

Filed under: Auftritte im Japanischen Fernsehen — chrigusan @ 1:02 am

Ich habe es geschafft. Ich kann mein Ingenieurdiplom abgeben und nehme den Hut bei meinem Arbeitgeber. Von nun an bin ich definitiv eine Berühmtheit in Japan und kann zukünftig von riesen Gagen leben.

Soweit könnte es kommen. Vielleicht… …nein, garantiert nicht. Aber immerhin habe ich doch wahrscheinlich einer der besten wissenschaftlichen internationalen Auftritten in Bezug auf von Dächer fallender Schnee in Asahii TV der letzten Wochen geboten. Und man kann mich sogar 2 Sekunden lang sehen.

Spass oder Höhenflug bei Seite, mir ist klar, dies ist ein nichtiger Fernsehauftritt. Es ist vielmehr das Überhaupt statt das Wie. Eine gute persönliche Erinnerung.

Wie es dazu kam, kann ich natürlich nicht genau sagen. Wie manch andere Information und Geschehniss in der Firma auch, bekomme ich sie nur brockenweise mit. Es liegt nicht an etwaigem Mobbing oder an Verschwörung, sondern an der Kommunikation. So hat mein Chef mich vor ein paar wochen um 5 Uhr Nachmittags gebeten noch in die Fabrik zu kommen damit er mir die all-Japanese Software für ein Experiment zeigen kann. Um 5 Uhr ist meine batterie deninitiv etwas zu schwach um noch einen Computerbildschirm zu verstehen, der einem nur Japanisch bietet. Es war seit langem wieder einmal ein klassische Situation von nickend „Uhm!“  (Ja) sagen und nichts verstehen. Mein Chef ist kein schlechter, denn mir ist das Nötigste hängen geblieben nach ein paar Wiederholungen.

Im allgemeien war ich leicht dunklen Gemüts zu diesem Zeitpunkt. Nebst dem Computer hat er mir auch die Experimentinstallation demonstriert. Schwere Stahlplatten, horizontaler Schneeregenwind, 5Uhr45 daher gedanklich im Feierabends und klobige Finger sind eine gute Kombination um sich letztere einzuklemmen. So geschehen. Wie ich gerade meine Schmerzen realsiere, welche vermuten lassen, dass mindestens der Fingernagel im Handschuh zurückbleibt, da fragt mich mein Chef schon ob es geht? Nur einen Augenblick, nach dem die Schmerzen fühlbar werden, kommt schon diese zu klassische und in solchen Momenten verhassten Frage, ob es einem geht? Jeder Funke von menschlichem Verständnis fehlte oder ein Zusammenprall verschiedener Kulturen, in jedem Fall ist es eine Qual just dann vortäuschen zu müssen, ja es gehe schon, wenn der innerlich Kampf am grössten ist. Wieso wartete mein Chef nicht noch 10 sekunden, die nötige Zeit um Wut eine Stufe runter zu bringen auf nur Schmerz.

Angry Bro wäre stolz auf mich gewesen. Ich gab mich in meinem innerlichen Kampf geschlagen.  Ich besann mich meiner Muttersprache und lies ihr freien Lauf. Dies fühlte sich neben dem Schmerz göttlich an. Man stelle sich vor, dass ich hier abgesehen von am Telefon nie Deutsch, geschweige den Berndeutsch, spreche. Aber auf einmal bietet sich diese ganz vergessene Muttersprache an, welche zudem in dieser Situtation sicherlich nicht verstanden wird. Es louft eifach, fahsch wie vo nällei. Befriedigend rollt jedes Wort über die Zunge und ich spüre Linderung.

Ich gebe zu, da kam noch Aufgestautes mit. Aber hey, besser so als anders. Habe ich schon mal erwähnt, dass Niigata die grösste Suizidrate Japans hat?

Kurz gesagt, mein Chef hat mir am Abend etwas erklärt, was ich kaum verstanden habe. Als ich mich anschliessend verabschiede um nach Hause zu gehen, meint er noch Fernsehen. Ich frage nach wie das genau gemeint ist. Es stellt sich heraus, dass nächsten Tags das erlernte Experiment von einem Fernsehteam begleitet wird. Dies fühlte sich eher nach Verwirrung an, statt Information. Ich beliess es dabei und machte mich auf nach Hause. Warum wollen diese Fernsehleute uns filmen? Warum wollen sie ausgerechnet dieses lausige Experiment filmen? Von all den Experimenten, die wir schon gemacht hatten, macht dies den pseudo-wissenschaftlichsten Eindruck, fern von aller Relevanz der Materie. Man könnte meinen, es sei nur zur Show.

Am nächsten Morgen, immer noch nichts ahnend, um was es genau geht, treffe ich doch eine gute Entscheidung: Ich rasiere mich trotz der Tatsache, dass ich draussen arbeite in Abwesenheit von höheren Mitarbeiter.

Weil ich mich einmal verfranst habe auf der Autobahn, kam ich etwas zu spät zum Schauplatz. Mein Mitarbeiterkollege war schon da, begrüsste mich nervös und drängte mich, die Installation aufzubauen. Normalerweise lassen wir uns Zeit. Ein grosser Truck mit Hebebühne war anscheinend auch gemietet worden – eine eher teure Investition für unser mickriges Vorhaben. Generell, hängt etwas Ungewohntes in der Luft. Nun, ich bin zu spät und kann solchen Wunderungen nicht nachgehen. Rasch aber gelassen, schaufel ich etwas Schnee beiseite um die miesen Stahlplatten in Position zu bringen, da kommt doch echt einer von der Fernsehcrew und schaufelt nach mir die Schneefreie Stelle zu einem perfekten Rechteck, zentriert um die Stahlplatten. Mensch, der Junge hat aber auch gar nichts von unserem Experiment begriffen. Die Stahlplatten müssen festen Untergrund haben – mehr nicht. Statt endlich zu begreifen, um was es eigentlich geht, tu ich den Japaner als eben Japaner ab.

Nach dieser Scharr von Indizien, die nur so schreien, dass es kein gewöhnliches Experiment für UNS ist, sondern ein Experiment für ASAHII TV, leuchtet es mir doch noch ein. Bei der erwarteten Ankunft des Moderators im Taxi geht mir ein Licht auf. Niemand ausser richtigem Fernsehen würde eine über einstündige Taxifahrt von der nächsten Schnellzugstation hier hin bezahlen.

Jetzt begreife ich schnell, dass wir ein Experiment für einen Fernsehbeitrag machen. Das Fernsehen bezahlt uns dieses simple Show-experiment zu tätigen, weil für sie dies immer noch ein zu kompliziertes Unterfangen wäre. Wie schön! Alles macht einen Sinn. Erleichterung.

Bang! Jetzt macht es auch Sinn warum, mein Chef mir die Software penibel erklärt hatte. Es reicht nicht aus, die gespeicherten Daten des Experiments zurück im Büro mit Hilfe meines Senpais auszuwerten. Das Fernsehen will sie quasi live sehen. Mit der Kamera auf den Bildschirm zoomen um das Resultat der Grösse weniger Pixel als Totalaufnahme in die Japanischen Stuben zu projezieren. Aus dieser Betrachtung der Situation habe ich klar zu wenig aufgepasst gestern Abends. Ich kann das Programm zwar bedienen, aber sicherlich nicht auf die filmreife Art.

Jetzt ist es zu spät das nicht Vorhandene zu lernen. In einer Stunde machen wir die Aufnahme und das Helpmenu ist sowieso nur Japanisch. Da der Auftraggeber pures Showbusiness ist, beschliesse ich mitzuspielen. Die Daten, falls doch von Interesse sind wahrheitsgetreu gespeichert und fürs Fernsehen gebe ich eine rasche kompetent scheinende Antwort, welche jedoch sehr ungenau ist. Ich schätze auf eine Marge von -+50%. Die akribischen Japaner wollen aber Zahlen auf 5 Ziffern, weil es so genauer sei. Ich bringe es übers Herz ihnen 3 Ziffern zu geben, obwohl nur die erste stimmt.

Nach den 2 Sekunden brillianten Gesichtsausdrucks, sieht man die Totalaufnahme des Resultats, wobei das Resultat von meinem Mitarbeiter gesagt wird, dem ich es vorgesagt habe. Nach der Aufnahme fragen die Fernsehleute nach, wieviel es noch einmal war um es in ihrem Notizbuch zu vermerken. Ich bin mir sicher, genau das selbe Resultat gesagt zu haben wie bei der Live-Action, welches aber jetzt mit Ihrem Nachfragen differiert. Noch bevor ich mich irgendwie winden muss, es sei eigentlich weniger relevant und sowieso nicht so genau, akzeptieren sie das für sie neue Resultat und behandeln es als für den Zuschauer in Stein gemeiselte Wahrheit. Eben Profis.

 

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